KI kann Bilder erzeugen, für die niemand eine Kamera in die Hand genommen hat. Das ist faszinierend – und wirft Fragen auf. Braucht es künftig noch Hobbyfotografen? Lohnt es sich, Fotografie zu lernen? Und welche Rolle haben Fotoclubs?
Ich beschäftige mich gerne mit KI und ihren Möglichkeiten. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass Fotografie und Fotoclubs weiterhin ihren Platz haben werden. Denn wenn ich an unser Hobby denke, sehe ich weit mehr als das fertige Bild.
Das Erlebnis gehört zum Bild
Stellen wir uns einen frühen Morgen am Zürichsee vor. Es ist noch kühl, das Licht verändert sich langsam, und plötzlich passt alles zusammen. Wir wählen unseren Ausschnitt und drücken auf den Auslöser. Vielleicht sind wir alleine unterwegs, vielleicht mit anderen aus dem Club.
Eine KI kann eine ähnliche Szene darstellen. Sie kann uns aber diesen Morgen nicht geben: die frische Luft, das Warten, die Gespräche und die Freude darüber, den Moment selbst entdeckt zu haben. Wenn wir später unser Foto anschauen, erinnern wir uns auch daran. Dieses Erlebnis gehört für mich zur Fotografie.
Selber können macht Freude
Wir kochen, obwohl es Fertiggerichte gibt. Wir wandern, obwohl eine Seilbahn auf den Berg führt. Wir spielen ein Instrument, obwohl wir jederzeit Musik abspielen können. Wir malen obwohl es die Fotografie gibt. Weshalb sollte ausgerechnet die Fotografie ihren Reiz verlieren, sobald es einen bequemeren Weg zum Ergebnis gibt?
Ein Motiv erkennen, Licht verstehen, eine Perspektive ausprobieren und mit jedem Versuch etwas dazulernen: Das kann Freude machen. Ein gelungenes Foto zeigt uns auch, dass wir weitergekommen sind. Dafür muss es weder perfekt sein noch möglichst viele Likes erhalten.

Eigene Erinnerungen lassen sich nicht nachholen
Ein Porträt eines Menschen, der uns wichtig ist. Ein besonderer Augenblick auf einer Reise. Eine Begegnung auf der Strasse. Solche Aufnahmen haben einen Wert, der sich nicht allein an Schärfe, Farben oder Bildaufbau messen lässt.
Eine KI kann eine Szene erfinden oder nachbilden. Ein vollständig generiertes Bild dokumentiert aber nicht, dass dieser Moment tatsächlich so stattgefunden hat. Auch ein Foto kann verändert werden; eine Kameraaufnahme ist deshalb kein automatischer Wahrheitsbeweis. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob wir etwas erlebt und fotografiert oder am Bildschirm erfunden haben.
Persönlicher Austausch und Freude am Lernen künftig besonders wichtig bleiben. Niemand muss mit einer KI um das spektakulärste Bild konkurrieren. Unser Hobby darf uns ganz einfach Freude machen.
Wenn wir beim nächsten Fotoausflug etwas Neues entdecken, eine gute Zeit miteinander verbringen und mit eigenen Bildern nach Hause kommen, hat sich dieser Ausflug bereits gelohnt. Und genau darauf freue ich mich auch in Zukunft.
Christian Funke und KI 😉
